Während das Tagesgeldkonto in Deutschland zum täglichen 1x1 der Veranlagungslandschaft zählt, fristet Tagesgeld in der Alpenrepublik Österreich noch immer ein -vergleichsweise- bescheidenes Dasein. Dies resultiert primär aus dem historisch sehr starken Hang der Österreichischen Durchschnittsanleger zum klassischen Sparbuch.
Kurz- und mittelfristige Veranlagungen im konservativem Bereich wurden über Jahrzehnte fast ausschließlich über diverse anonyme Sparbücher abgewickelt - erst aufgrund massiven Drucks seitens EU (und auch seitens Deutschlands) wurde in Österreich diese Anonymität am 1.7.2002 gänzlich abgeschafft. Auch der Vorteil der steuerfreien Anlage fiel aufgrund diverser Doppelbesteuerungsabkommen langsam aber sicher weg.
Die Geldabflüsse aus Österreichs Banken blieben aber bescheiden - ein paar besonders vorsichtige Anleger suchten nun Liechtenstein und die Schweiz auf. Der Rest der Geschichte rund um Datenträgern mit Steuerstündern ging dann durch die Medien.
Nur noch ein paar Jahre konnte sich Österreich auch in Sachen "Verfolgung von Steuerhinterziehern" gegenüber transparenteren Ländern wehren - die aktuelle Gesetzeslage bezüglich Österreichs lange und gut gehütetes Bankgeheimnis hat nunmehr europäische Standards.
Tagesgeld noch immer mit geringer Akzeptanz
Die Anonymität war nunmehr kein Grund mehr zur Veranlagung in Sparbücher - der Durchbruch für das Tagesgeldkonto wäre demnach zu erwarten gewesen.
Doch sämtliche Bemühungen der Großbanken, Gelder vom "klassischen Sparbuch" auf Tagesgeldkonten mit Sparkarte zu transferieren scheiterten schon sehr früh.
Sehr wohl hatten Österreichs Banken Tagesgeldkonten (wie auch Festgeldkonten) immer schon im Angebot - Interesse an diesen Veranlagungsmöglichkeiten hatte aber mangels Attraktivität der Angebote kaum jemand. Anstatt ein Tagesgeldkonto zu eröffnen, beließ man kleinere Summen lieber auf schlecht verzinsten und täglich fälligen Sparbüchern und deponierte größere Geldsummen auf die in Österreich nach wie vor sehr beliebten Kaptialsparbücher (mit 6 Monaten bis
72 Monaten Bindung).
Einzig die aus der Gewerkschaftsbank "BAWAG" stammende "easybank" (Österreichs erste Onlinebank) konnte bei jungen und internetaffinen Menschen schon in den 1990er-Jahren mit solider Guthabensverzinsung auf dem kostenlosen Gehaltskonto (ein Vorläufer zum Tagesgeld) punkten, tat aber den Großbanken nicht
wirklich weh.
ING DiBa brachte frischen Wind
Mit dem Markteintritt der niederländischen ING DiBa kam dann aber sehr wohl Bewegung in die langweilige Tagesgeldszenerie Österreichs. Der Tagesgeldhecht mischte den trägen Kapitalsparbuch-Karpfenteich der Bankenlandschaft Österreichs kräftig auf und verzeichnete per Ultimo 2009 immerhin schon knapp über 400.000 Kunden. Tendenz weiterstark steigend.
Zum Vergleich: In Deutschland zählte man zum Jahreswechsel 2009/2010 ca. 6,5 Mio. Kunden - hochgerechnet auf die Einwohnerzahl (Verhältnis ca. 10:1) hinkt Österreich hier allerdings noch immer etwas nach.
Während sich deutsche Internetbanken bisweilen noch nicht in den kleinen Markt der Alpenrepublik gewagt haben (die meisten deutsche Filialbanken haben ob der Trägheit der Österreicher in Sachen Bankenwechsel längst den Rückzug angetreten), blieb der Geschäftserfolg der ING DiBa Austria bei kleineren Banken sowie bei Ablegern von Großbanken nicht unbemerkt.
Tagesgeldkonten in Österreich
Mittlerweile gibt es in Österreich auch einige klassische Internetbanken, welche zumeist auf Tagesgeld sowie Festgeld spezialisiert sind. Sehr oft handelt es sich hierbei um Autoleasing-Banken sowie kleinere Regionalinstitute und Ableger von Großbanken, welche ihr Glück auch im Web suchen.
Die aktuellen Tagesgeldkonditionen in Österreich unterscheiden sich von den deutschen Tagesgeldanbietern nur unwesentlich. Die Spareinlagensicherung liegt bei österreichischen Banken derzeit übrigens bei 50.000 Euro pro Bank und Einleger. Anleger aus Deutschland sind bei fast allen Anbietern willkommen.